Gesamtzusammenfassung (unverbindlich) zu den US-Zollregelungen (Stand: August 2025)
US Zollmaßnahmen – Übersicht für EU + Drittstaaten (Stand: August 2025) Die Übersicht zeigt die aktuellen US Zollsätze gegenüber der EU und anderen wichtigen Handelspartnern. Sie enthält pauschale Regelungen, Ausnahmen sowie Maßnahmen nach Section 232: Zollsätze für EU-Waren Produktbereich US Zollsatz Hinweise Allgemeine Waren 15 % gilt pauschal, außer der MFN ist höher als 15 % MFN-Zoll über 15 % je nach Tarif es gilt der höhere MFS Zollsatz Fahrzeuege und Teile (8703, 8708) 25 % zusätzliche Section 232 Maßnahme Stahl, Eisen (Kap. 72,73) 50 % Section 232 Aluminium (Kap 76) 50 % Section 232 Kupfer (Kap. 74) 50 % Section 232 Zollsätze auf Waren aus anderen Ländern Land US Zollsatz Besonderheiten Brasilien 50 % 10 % Grundzoll + 40 % Zusatzmaßnehme (Bolosnaro) Vietnam bis 20 % Pauschalzoll China 30 – 95 % Zusätzliche Sonderzölle (z.B Section 301) Indien 25 – 50 % Sektorbezogene Zölle Kanada bis 35 % USMCA-Ausnahmen möglich Mexiko bis 25 % USMCA-Ausnahmen möglich Japan 15 % gilt als pauschaler Ausgleichszoll Südkorea 15 % gilt als pauschaler Ausgleichszoll
MFN – ZÖLLE (Most Favored Nation)
MFN steht für „Meistbegünstigtenstatus“ und bedeutet, dass Länder, die keinen besonderen Handelsstatus haben, den allgemeinen Zollsatz erhalten. Bei uns auch als Zollsatz erga omnes bezeichnet.
Der MFN-Zollsatz ist der „Standardzoll“, der für alle WTO-Mitglieder gilt, die kein Freihandelsabkommen (FTA) mit den USA haben.
Die MFN-Zollsätze variieren je nach Produkt, z.?B. 15 % für viele Waren, aber oft höher bei Stahl, Aluminium und Fahrzeugteilen.
II. Section 232 und Section 301 – Überblick für Exporteure (Stand: August 2025)
Anwendung: Auch bei Handelspartnern wie der EU, UK, Schweiz – z.?T. mit Quotenregelungen statt Zöllen
Charakter: Keine klassischen Handelsschutzmaßnahmen, sondern nationale Sicherheitsmaßnahmen, keine handelsrechtlichen Zölle im klassischen Sinn sondern Sicherheitszölle – Stahl und Aluminium bis uu50 % bzw.10 %; Fahrzeuge und Teile bis zu 25 % (ähnlich einer Sonderabgabe)
Ausnahmen und Quotenregeln: sind vorgesehen, aber sie sind meist begrenzt und produktbezogen
Section 301 – Handelsungleichgewichte / Reaktion auf unfaire Praktiken
Rechtsgrundlage:US Trade Act von 1974, Section 301
Ziel: Reaktion auf unfaire Handelspraktiken anderer Staaten
Maßnahmen: Strafzölle, Entzug von Präferenzen, Investitionssanktionen
Bekannteste Anwendungen: – China (Technologietransfer, Cyber-Diebstahl) – EU (Digitalsteuer) – Indien, Türkei, Vietnam, Brasilien u.?a.
Unterschied zu Section 232: Fokus liegt auf wirtschaftlichen Interessen der USA, nicht auf Sicherheit
WTO-Konformität: Häufig umstritten – sollten bei WTO geklagt werden
Vergleich: Section 232 vs. Section 301 vs. Antidumpingzoll
Merkmal
Section 232
Section 301
Antidumpingzoll
Rechtsgrundlage
Trade Expansion Act 1962
Trade Act 1974
WTO Antidumpingabkommen
Ziel
Nationale Sicherheit
Ausgleich unfairer Handelspratiken
Ausgleich von Dumpingpreisen
Auslöser
Sicherheitsgefähr-dung durch Importe
Systematisches Fehlverhalten
Verkauf unter Her-stellungskosten
Adressat
Länder und Produkte allgemein
Spezifische Staaten oder Produkte
Spezifische Unternehmen / Produktgruppen
Maßnahmen
Zölle, Quoten, Einfuhrverbote
Strafzölle, Präfernzentzug
Zusatzzölle je nach Dumping-Marge
WTO-Konformität
Umstritten
Umstritten
WTO-konform
III. Freihandelsabkommen (FTA) mit den USA
Länder mit FTA (z. B. EU, Kanada/Mexiko (USMCA), Marokko, Japan, Südkorea) profitieren grundsätzlich von reduzierten oder entfällt Zöllen, wenn Ursprungsregeln eingehalten werden.
Die Ursprungsregeln definieren, wie viel Wertschöpfung im FTA-Raum stattfinden muss.
Wird die Ursprungsregel nicht erfüllt, gelten die MFN- oder Section 232-Zölle.
Section 232-Zölle gelten meist auch für FTA-Partner, da sie eine nationale Sicherheitsmaßnahme sind, nicht handelsrechtlich.
IV. Was Exporteure aus der EU / UK bedenken sollten
Zwischen der EU, dem UK und den USA besteht kein Freihandelsabkommen (an TTIP sind wir wegen der Chlorhuhn-Affäre gescheitert)
In der Regel reicht bei bestimmten Zöllen (z.?B. MFN-Zoll nach HTSUS) eine einfache Ursprungsangabe (“EU origin” / “UK origin”) in den Versanddoku-menten aus.
Im Fall von Section 232 oder 301-Zöllen gelten diese Zölle zusätzlich zum MFN-Zoll, selbst wenn Ursprung nachgewiesen ist.
Eine Präferenzbehandlung (z.?B. zollfrei) gibt es nur im Rahmen eines Freihandelsabkommens, wie z.?B. mit:
Kanada / Mexiko (USMCA)
Israel, Australien, Singapur, Marokko, Chile, Südkorea etc.
Achtung: Bei mangelndem Ursprungsnachweis im USMCA oder anderen FTAs gelten Section 232/301-Zölle zusätzlich
V. Zusammenfassung:
Section 232 ist eine Maßnahme zur nationalen Sicherheit, die Zölle auch gegen Verbündete rechtfertigt.
Section 301 dient der handelspolitischen Strafmaßnahme – vor allem gegen unfaire Praktiken.
Beide Maßnahmen können kumulativ mit normalen MFN-Zöllen oder Antidumpingmaßnahmen wirken.
Für Exporteure ist eine klare Ursprungsdokumentation entscheidend, um zumindest normale Präferenzen (z.?B. unter USMCA) zu nutzen.
Es handelt sich nicht um klassische WTO-Zölle, sondern um Sonderabgaben mit politischer Komponente.
VI. Auswirkungen auf wichtige Länder
Land/Region
FTA-Status
MFN-Zoll
Section 232
Anmerkungen
EU
Kein FTA
15 % oder >
50 % Stahl, Kupfer, Alu 25 % Fahrzeuge und -teile
wird angewandt, keine generellen Ausnahmen
Kanada
USMCA
entfällt bei Einhaltung der Ursprungs-regeln
Ja, aber teilweise Ausnahmen / Quoten
teilweise reduziert, aber nicht komplett aufgehoben
Mexiko
USMCA
entfällt bei Einhaltung der Ursprungs-regeln
wie Kanada
wie Kanada
Marokko
US-Morocco-FTA
entfällt bei Einhaltung der Ursprungs-regeln
ja, Ausnahmen möglich
Section 232 kann greifen, abhängig vom Produkt
China
kein FTA
bis zu 95 % (zusätzliche Zölle)
ja, volle Anwendung
sehr hohe Strafzölle zusätzlich zu Section 232
Japan
bilaterale Abkommen
meistens reduziert
ja, teilweise Ausnahmen
Section 232 gilt, aber Ausnahmen möglich
Südkorea
bilaterale Abkommen
meistens reduziert
ja, teilweise Ausnahme
wie Japan
VII. Fahrzeuge (HS Pos. 8703) und Fahrzeugteile (HS Pos. 8708)
Fahrzeuge und Fahrzeugteile aus der EU, Kanada, Mexiko unterliegen häufig einem Section 232-Zollsatz von ca. 25 %, auch bei FTA.
Nur bei Einhaltung der Ursprungsregeln entfallen die normalen Zölle (MFN oder regulär), Section 232 bleibt idR bestehen.
Verhandlungen und Ausnahmeregelungen für USMCA-Partner können die Situation verbessern, aber keine generelle Abschaffung.
VIII. Praktische Handlungsempfehlungen
Ursprungsregeln bei FTAs genau prüfen und einhalten, um normale Zölle zu vermeiden.
Section 232-Zölle sind gesondert zu beachten und können auch bei FTA greifen.
Regelmäßig die aktuellen US-Zoll- und Handelsbehörden prüfen, da Ausnahmen und Quoten sich ändern können.
Incoterms beachten
Wenn möglich auch First Sale Rule nutzen, eine Option, um bei einer mehrstufigen Transaktion als Grundlage einen früheren Verkaufspreis zur Zollwertermittlung zu nutzen (macht wahrscheinlich nur bei DDP Verkäufen Sinn)
Bei Exporten nach USA entsprechende Nachweise und Dokumentationen bereitstellen